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Patient-Blood-Management

Patient-Blood-Management – was ist das?

Vor dem Hintergrund, dass immer mehr ältere Patienten immer weniger potenziellen Spendern gegenüber stehen und dem damit sich abzeichnenden Engpass in der Blutversorgung forderte bereits die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 2011 einen bewussteren Einsatz von Blut und Blutprodukten und damit verbunden die Einführung von Alternativen zur Bluttransfusion, beispielsweise ein adäquates Patient Blood Management.

Im Jahr 2013 startete federführend die Universitätsklinik Frankfurt gemeinsam mit dem DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen das Frankfurter Patient-Blood-Management-Programm, dem sich bis heute mehr als 100 Kliniken in Deutschland angeschlossen haben. Es ruht auf den folgenden drei Bausteinen:

  1. Frühe Identifikation und ggf. Behandlung einer Anämie (Blutarmut) vor elektiven (geplanten) Eingriffen mit hoher Transfusionswahrscheinlichkeit, so dass die körpereigenen Ressourcen vor einer Operation optimiert werden können.
  2. Rationaler Einsatz von Blutkonserven und Einhaltung der Querschnitts-Leitlinien der Bundesärztekammer.
  3. Minimierung des Blutverlustes, vermehrte Nutzung fremdblutsparender Maßnahmen und Ausschöpfung aller verfügbaren Alternativen zur Fremdbluttransfusion, um die körpereigenen Blutreserven zu schonen.

Begleitend zu diesem Programm erfolgte unter Federführung der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main und des Instituts für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg – Hessen von Januar 2013 bis Ende 2015 ein multizentrisches Forschungsprojekt zur Sicherheit und Effizienz eines Patient Blood Management (PBM)- Projektes. An den Universitätskliniken Frankfurt am Main, Bonn, Kiel und Münster wurden in dieser Zeit insgesamt 130.000 Patienten beobachtet, welche sich chirurgischen Eingriffen unterziehen mussten.

Wie ist dieses Ergebnis zu bewerten?

Die Ergebnisse der Kohorten-Beobachtungsstudie zum PBM der Frankfurter Uniklinik geben einen Hinweis darauf, sich dieses Phänomen genauer anzusehen. Allerdings entsprechen sie nicht den wissenschaftlichen Anforderungen an „evidence based medicine“. Aus diesem Grund wird das Universitätsklinikum Frankfurt gemeinsam mit dem DRK-Blutspendedienst Baden- Württemberg-Hessen eine prospektiv randomisierte Studie durchführen. Darüber hinaus spielen weitere Faktoren bei der Bewertung der bisherigen Studienergebnisse eine Rolle: Ein erheblicher Teil von Bluttransfusionen betrifft Patienten ohne Operation wie etwa im Bereich der Onkologie. Die immer wieder formulierte These, dass Bluttransfusionen Krebs begünstigen, kann dabei nicht belegt werden. Es gibt zum gegenwertigen Zeitpunkt keine Studien die wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen, die nachweisen, dass Bluttransfusionen die Entstehung von Krebs bewirken. Auch der vielfach gezogene Vergleich mit anderen Ländern bei Studien und deren Ergebnissen ist schwierig, da jeweils unterschiedliche Rahmenbedingungen gelten

Ein weiterer Faktor bei der Bewertung der Studienergebnissen ist: Die präoperative Anämiebehandlung kann nur bei elektiven Eingriffen erfolgen. Viele Blutpräparate werden jedoch bei Notfällen oder Unfällen benötigt.

Allen Fällen gemeinsam ist: Auch jetzt bereits darf und soll eine Bluttransfusion nur nach strenger Indikation gegeben werden. Der Transfusionsbedarf hängt von vielen Einflussgrößen ab wie etwa die Schwere der Erkrankung, der Zustand des Patienten, das Alter des Patienten, die Art des Eingriffes etc. Nach wie vor ist die Gabe von Fremdblut bei vielen Eingriffen überlebenswichtig.

Ist Blut gefährlich?

Blutspenden sind so sicher wie nie. Wie vormals beschrieben gibt es bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Blut etwa Krebs begünstigt. Als zugelassenes Arzneimittel sind auch bei Blutprodukten mögliche Nebenwirkungen gegeben so wie bei jedem Medikament. Allein Aspirin kann schwerwiegende Blutungen, schwere Hautreaktionen, Atemnot-Anfälle bis hin zum Schock hervorrufen. Dabei gilt für alle Arzneimittel der Grundsatz „keine Wirkung ohne Nebenwirkung“. Verglichen mit den Risiken anderer Medikamente und medizinischer Maßnahmen wie etwa Krankhauskeime oder Narkosen sind die Risiken bei Bluttransfusionen niedrig einzustufen.

PBM und DRK

Wie steht der DRK-Blutspendedienst zum Patient-Blood-Management?

Der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost unterstützt ausdrücklich das Patient-Blood-Management-Programm und damit den rationalen Umgang mit Blutprodukten sowie blutsparende Maßnahmen. Auch jetzt bereits darf und soll eine Bluttransfusion nur nach strenger Indikation gegeben werden – genauso wie alle Medikamente und medizinischen Maßnahmen. Die DRK-Blutspendedienste fühlen sich in dieser Hinsicht in gleicher Weise den Blutspendern als auch den Patienten verantwortlich! Das Thema restriktiver Einsatz von Blutpräparaten ist seit Jahren bereits regelmäßiger Teil der transfusionsmedizinischen Fortbildungsveranstaltungen, welche alle DRK-Blutspendedienste im Rahmen der Ausbildung zum Transfusionsmediziner durchführen und auch Teil der transfusionsmedizinischen Fachberatung und darüber hinaus in unterschiedlichen Arbeitskreisen ist.

Insgesamt bleibt dabei jedoch zu beachten: Die DRK-Blutspendedienste sind Versorger nicht jedoch Anwender von Blutpräparaten. In Deutschland regeln die „Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten“, herausgegeben vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer, verbindlich für die behandelnden Ärzte die Anwendung von Transfusionen und die Entscheidung für oder gegen eine Transfusion im Sinne der höchstmöglichen Empfängersicherheit. Das heißt konkret: Die Entscheidung über eine Transfusion fällt durch den behandelnden Arzt im Krankenhaus.

Hat Patient-Blood-Management Auswirkungen auf die Arbeit des DRK-Blutspendedienstes?

Das Deutsche Rote Kreuz ist nach seinem Selbstverständnis und satzungsgemäß eine Hilfsorganisation, die ganz generell dazu beizutragen versucht, menschliches Leid lindern zu helfen oder dazu beizutragen, es zu verhindern. Der Bereich Blutspende ist ein Teil davon. Die Zielsetzung dabei ist nicht, möglichst viele Blutpräparate herzustellen und an Krankenhäuser abzugeben. Die DRK-Blutspendedienste arbeiten als gemeinnützige GmbHs ausschließlich für das Gemeinwohl, kostendeckend jedoch ohne Gewinnstreben, welches satzungsgemäß gar nicht möglich ist. Die Zielsetzung ist vielmehr, eine ausreichende Anzahl gesunder freiwilliger Blutspender zu motivieren, Blut zu spenden, um Blutpräparate für den nach aktuellem medizinischen Wissenstands notwendigen Blutbedarf bereit zu stellen. Die schwankenden Nachfragen sind seit jeher Teil unseres Versorgungsauftrages. Das heißt, wir müssen in der Lage sein, sichere Blutpräparate zu jeder Zeit in der richtigen Menge (und Blutgruppe) unter allen Umständen zur Verfügung stellen zu können. In diesem Zusammenhang passen die DRK-Blutspendedienste das eigene Entnahmevolumen seit vielen Jahren den tatsächlich geringeren Anwendungsraten von Blutprodukten an.

Wichtig für die vielen Blutspenderinnen und Butspender ist es jedoch zu wissen, dass auch wenn der Blutbedarf insgesamt gesunken ist, in Deutschland rund 3,5 Millionen Spenden jährlich für die Versorgung der Patienten benötigt werden. Nach wie vor ist für viele Patienten eine Transfusion lebensrettend. Nach wie vor gibt es für viele Erkrankungen keine Alternative zur Behandlung mit Blutprodukten. Deshalb ist Patient Blood Management keine alternative Form der Therapie, die die Arbeit der Blutspendedienste ersetzen wird. Der Anteil an Patienten mit einem hohen Alter oder mit komplexen chirurgischen Eingriffen wird in den Krankenhäusern in den nächsten Jahren stetig steigen. Ebenso wird es natürlich zukünftig weiter Notfallpatienten mit einer akuten Blutungssituation geben, bei denen die Transfusion von mehreren Fremdblutkonserven lebensrettend ist!